Lydia Hüskens im Porträt
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Anlässlich des OB-Wahlkampfes 2008 in Magdeburg stellte die Volksstimme alle Kandidaten in einem ausführlichen Porträt vor. Den folgenden Text schrieb Volksstimme-Redakteurin Katja Tessnow.
Mit dem simpelselbstbewussten Slogan "Magdeburg kann mehr!" grüßt Lydia Hüskens von blau-gelben Plakaten am Straßenrand und lädt die Wählerschaft zum Glauben daran ein – und zur Abgabe ihrer Stimme für die liberale Kandidatin zur OB-Wahl. Auf die Frage nach dem Gehalt ihres Wahlslogans entgegnet die 43-jährige Historikerin, die mit 38 Jahren als Landtagsabgeordnete in die Berufspolitik wechselte: "Magdeburg steht nicht schlecht da. Meine Familie und ich leben gerne hier. Aber die Stadt schöpft ihr Potenzial, insbesondere das wirtschaftliche, nicht aus. Ich werde regelmäßig von Unternehmern daraufhin angesprochen, dass sie sich bei den Ämtern der Stadt nicht wohlmeinend aufgenommen fühlen, dass ihnen viel mehr kritisch begegnet wird. Das muss sich ändern, schon weil die Stadt kaum eine andere Chance hat, als sich über die eigene Wirtschaftskraft zu konsolidieren und damit auch wieder mehr Spielraum für freiwillige Aufgaben und zur Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben zu haben."
Die finanzpolitisch versierte Liberale bekundet trotz der Wahlkampfkonkurrenz dem SPD-Amtsinhaber "Respekt für seine Leistungen bei der Konsolidierung der Stadtfinanzen, aber er hat sich nicht an alle Aufgaben herangetraut". Hüskens ist eine Verfechterin der Privatisierung kommunalen Wohneigentums zur Stadtkassen-Sanierung. Sie vertritt ihre in weiten Teilen der Bevölkerung nicht eben populäre Ansicht standfest und auch auf die Gefahr hin, dass sie Wählerstimmen kostet." Leider wird die Diskussion zu emotional geführt. Leute auf der Straße sagen mir: Die Wobau privatisieren? Das können Sie nicht wollen. Sie sichert bezahlbare Mieten. Das ist nicht unbedingt richtig. Die Wobau ist ein Unternehmen wie andere Vermieter auch und in diesen Zeiten mehr denn je angehalten, wirtschaftlich zu arbeiten. Natürlich muss die Stadt ihrer Verantwortung nachkommen, preiswerten Wohnraum für sozial Schwache zu sichern, aber gerade auf dem Wohnungsmarkt herrscht eine gesunde Konkurrenz, weshalb eine Privatisierung hier gefahrlos wäre.
In lebenswichtigen Bereichen, in denen Monopole drohen, wie etwa in der Abwasser- und Trinkwasserversorgung oder auch auf so sensiblen Feldern wie etwa dem Klinikum bin ich anderer Ansicht und halte Privatisierungen unter Umständen durchaus für gefährlich. Was den Wohnungsmarkt betrifft, wäre aber viel mehr die Erstellung eines Mietspiegels eine wichtige städtische Aufgabe, die für Transparenz sorgen könnte. Es müsste sich erst einmal erweisen, ob die Wobau tatsächlich der preiswerteste Vermieter ist. Lydia Hüskens setzt – ganz in liberaler Tradition – auf so wenig Staat und Regulierung wie möglich. Folgerichtig stand sie am vergangenen Sonnabend Seite an Seite mit den Jungen Liberalen auf dem Hasselbachplatz – neben öffentlich und zum Protest kredenztem Sekt: kontra Alkohol- und Glasflaschenverbot: "Wenn ich mit dieser Flasche (hält eine gläserne Selterflasche hoch) nach 18 Uhr an einer Straßenbahnhaltestelle stehe, kann ich belangt werden. Das halte ich wirklich für bekloppt. Das geht zu weit; da wird zu viel über einen Kamm geschoren. Natürlich will ich auch nicht, dass Betrunkene nachts randalierend durch die Stadt ziehen, aber dagegen gibt es bereits Gesetze. Es braucht keine neuen Verbote, sondern an Brennpunkten viel mehr Präsenz von Polizei- und Ordnungskräften, die geltendes Recht durchsetzen." Auch einer jüngst von der Rats-CDU geforderten Ausweitung der Videoüberwachung öffentlicher Plätze steht Hüskens skeptisch gegenüber: "So etwas taugt nur dazu, hinterher Täter festzustellen, dabei müssen wir sie vorher von ihrem Tun abhalten. Oder am Ende sind überall Kameras, und die zeichnen auch unverbotene Dinge auf, bei denen der Bürger sich nicht filmen lassen will. Auch in Straßenbahnen sollte viel mehr auf Personal zur Sicherheit gesetzt werden als auf Kameras. "
Lydia Hüskens bewertet regionale und bundesweite gesellschaftliche Entwicklungen wach und kritisch. Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit sind ihr, die sich auf Landesebene auch schon mal auf Gedeih und Verderb mit den eigenen Reihen anlegt, wenn sie Vetternwirtschaft ausmacht, ohne weiteres abzunehmen. Hüskens ist kein politischer Kuscheltyp und keine Spalterin, aber im positiven Sinn streitbar in der Sache. Sie hat die Kontroverse und den Kompromiss lange trainiert – als Landtagsabgeordnete seit 2002 und zuvor unter anderem als Personalratsvorsitzende im Umweltministerium Sachsen-Anhalt: "Der damalige SPD-Minister hat sich manchmal schwer damit getan, sich von einer Liberalen über Arbeitnehmerrechte aufklären lassen zu müssen."
Zur OB-Kandidatur kam Hüskens, nachdem die Planung ihrer eigenen Partei, sich mit der CDU auf einen gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten zu einigen, scheiterte: "Wir sind schließlich nicht bereit, jeden mit zu tragen!", lässt die FDP-Frau einen Seitenhieb auf den christdemokratischen Mitbewerber Wigbert Schwenke niedergehen. "Als die Aufgabe an mich herangetragen wurde, habe ich mich dann einige Zeit danach befragt, ob ich denke, dass ich es besser kann als der jetzige Amtsinhaber. Ja, davon bin ich überzeugt."



